In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, spricht diesmal Alf Wallner, der Leiter der Konrad Zuse Akademie Hoyerswerda. In seinem Kommentar geht es um die wohlverdienten Ferien der Schüler und die Leistung, die sie erbracht haben.(cb)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Es sind Ferien in Sachsen und Brandenburg.
Bei aktuell bestem Wetter erholen sich die Schülerinnen und Schüler von den Anstrengungen des letzten Schuljahres und tanken Kraft und Energie für das kommende.
Nach langen, fordernden Prüfungen haben sich insbesondere die Abiturienten ausgiebige Erholung verdient. Das Abitur ist geschafft, von einigen sogar mit der Bestnote 1,0. In Sachsen waren das in diesem Jahr 311 Schülerinnen und Schüler. Respekt und Anerkennung für diese großartige Leistung.
Obwohl es in diesem Jahr einige weniger waren als im vergangenen – der deutschlandweite Trend zeigt es: Immer mehr Abiturienten schließen das Gymnasium mit immer besseren Noten ab.
Zum Vergleich: 2006 schlossen bundesweit rund 20 Prozent aller Abiturienten die Schule mit einem Durchschnitt von 1 bis 1,9 ab. Mitte der 2020er-Jahre waren es bereits 30 Prozent. Also alles in bester Ordnung an unseren Schulen? Wohl kaum.
Hochschulen und Universitäten beklagen seit Jahren ein sinkendes Niveau der Studienanfänger. An einzelnen Einrichtungen wurden sogar spezielle Vorbereitungskurse für ein Hochschulstudium angeboten. Das müsste aber eigentlich das Abitur abdecken, denn dies bescheinigt ja normalerweise die Hochschulreife.
Wie gehen also immer bessere Abiturnoten mit immer weniger Hochschulkompetenz der Studienanfänger einher?
Bildungswissenschaftler sind sich da ziemlich einig: Es liegt an der Entkopplung von Noten und tatsächlicher Leistung. Das Abitur misst heute vermehrt andere Fähigkeiten als jene, die für ein wissenschaftliches Studium notwendig sind.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Bildungspolitik ist in Deutschland Sache der einzelnen Bundesländer. Diese sind für die Überarbeitung und Aktualisierung der Lehrpläne verantwortlich. In den letzten Jahren wurde dabei in vielen Bundesländern das klassische Faktenwissen zugunsten von Handlungskompetenzen zurückgedrängt. Die Schüler können hervorragend Informationen präsentieren und Gruppenarbeiten organisieren. Allerdings fehlt ihnen dabei oftmals das fachliche Fundament für ein wissenschaftliches Hochschulstudium.
Daher setzen die Hochschulen und Universitäten vermehrt auf Eignungstests und Vorkurse. Das Abitur allerdings verliert dadurch mehr und mehr seine Aussagekraft und seine Funktion als Selektionsinstrument in der höheren Bildung.
Was also fehlt, ist eine verlässliche Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse der einzelnen Bundesländer. Zwar gibt es dazu Richtlinien der Kultusministerkonferenz, aber die Praxis zeigt, dass diese nicht ausreichen.
Aber vielleicht sind es ja gerade die angehenden Studenten des diesjährigen Abiturjahrgangs, die zeigen, dass auch ein durchwachsenes Abitur die Basis für ein erfolgreiches Studium und eine wissenschaftliche Laufbahn sein kann.
Ich jedenfalls wünsche allen dabei viel Erfolg.
Alf Wallner







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