Der gewöhnliche Spindelstrauch, auch Euonymus europaeus oder Pfaffenhütchen genannt, verzeichnet seine Herkunft schon seit vielen Millionen Jahren in weiten Teilen Europas. Er bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit durchlässig bis lehmigen sowie nährstoffreichen und kalkhaltigen Böden und wird zwischen 2 und 5 m hoch.
Das Pfaffenhütchen wächst unter anderem an Waldrändern, in Auwäldern sowie an Abhängen und dient dort als Flachwurzler hervorragend zum Erosionsschutz.
Außerdem ist es ein sommergrünes Gehölz, an dessen Rinde im Herbst Korkstreifen zu erkennen sind. Seine Blätter sind meist paarweise und länglich bis oval mit einer zulaufenden Spitze. Sie erstrahlen in einem saftigen dunkelgrün bevor sie im Herbst eine intensive, leuchtende orangene bis scharlachrote Färbung bekommen. Seine unscheinbaren, kleinen Blüten erscheinen von Mai bis Juni und werden von vier grünlich-weiß bis gelbgrüne Kronblätter umrahmt, die wie kleine Sterne aussehen. Da der Nektar sehr leicht zu erreichen ist, nähren vor allem Insekten mit einem kurzen Rüssel, wie Fliegen und Schwebfliegen an ihren Blüten.
Nach ihrer Bestäubung reifen sie zu auffälligen Kapselfrüchten heran, welche in ihrer Beschaffenheit an die Kopfbedeckung katholischer Kardinäle erinnern – daher kommt auch sein umgangssprachlicher Name „Pfaffenhütchen“. Die für den Spindelstrauch charakteristischen leuchtend pinken Kapseln haben vier Fächer, aus denen ein knallig orangener Fruchtkörper heraus wächst. Unter der auffallenden Färbung verbirgt sich ein weißer oder schwarzer Samen. Diese fallen vollständig ausgereift in eine 3 bis 4 jährige Ruhephase, erst dann fangen sie an zu keimen. Da dieser Prozess viel Zeit in Anspruch nimmt, kann sich das Pfaffenhütchen auch vegetativ über Kriechsprossen vermehren. Dabei treiben die bodennahen Zweige Wurzeln aus, die durch Erdkontakt zu neuen Sträuchern heranwachsen können.
Während die Pflanze für den Menschen in allen teilen hochgiftig ist und vor 20 Jahren sogar zur Giftpflanze des Jahres gekürt wurde, dient sie als wichtige Nahrungsquelle für Vögel wie Amseln, Drosseln und Rotkehlchen. Diese lassen sich im Herbst und Winter hervorragend dabei beobachten, wie sie den nährstoffreichen orangenen Samenmantel abschälen und fressen. Aus diesem Grund wird der Strauch im Volksmund auch Rotkehlchenbrot genannt. Früher wurden die gemahlenen Samen des Pfaffenhütchen als Mittel gegen Ungeziefer eingesetzt. Dies ist mittlerweile jedoch Verboten, da vor allem Kleinkinder und Hausiere nach dem Kontakt lebensbedrohliche Folgen davontragen können.
Der gewöhnliche Spindelstrauch ist jedoch mehr als nur eine giftige Pflanze. Früher wurden aus dem Holz der Pflanze Webspindeln gefertigt sowie Zeichenkohle genutzt. Auch für Uhrmacher hat das Pfaffenhütchen eine besondere Bedeutung: Hier wird es nämlich als Putzholz verwendet um die feinen Bohrungen und Zahnräder vorsichtig zu reinigen, sodass keine Kratzer auf dem Metall zurückbleiben.
Somit lässt sich sagen, dass der Spindelstrauch auf keinen Fall zu sich genommen werden sollte, doch im kreativen Handwerk und mit seinem auffälligen Aussehen punkten kann.(hw)







Schreibe einen Kommentar