Lausitz – kommentiert: Weltweite Konflikte – Was geht es uns an?

In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, spricht für Sie Michael Harig, ehemaliger Landrat des Landkreises Bautzen. Sein Thema steht unter der Überschrift: Weltweite Konflikte – Was geht es uns an?“ (jb).

Der Kommentar zum Nachlesen:

Weltweite Konflikte – Was geht es uns an?“

Wo sind wir nur hingeraten? Was ist nur los in unserer Welt?

Diese meine Fragen sind kein Ausdruck von Resignation. Ein Stück Ratlosigkeit kann ich dennoch nicht verhehlen.

Diese Fragen stelle ich mir regelmäßig beim Lesen der Zeitung, den Nachrichten in Funk und Fernsehen.

Ja – und das mag für junge Leute „old school“ erscheinen -, ich lese noch – die Zeitung. Und das, was in regulären Sendern – zumindest an Wissenswertem ausgestrahlt wird, versuche ich ohne Vorbehalt zur Kenntnis zu nehmen. Leider ist Orientierung auch dadurch nicht einfacher.

Nehmen wir „nur“ die derzeit größten Konflikte:

Der Beginn des Ukraine-Kriegs jährt sich bald zum 5. Male. Rechnet man die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Ostteil des Landes und auf der Krim hinzu, kommen wir auf anderthalb Jahrzehnte.

An die Bilder zerstörter Häuser und Infrastruktur, an Tote und Verletzte beiderseits der Front, haben wir uns gewöhnt. Der Umstand, dass die gegenseitigen Angriffe auch die Hauptstädte, also Kiew und Moskau, erreichen, ist ein Teil des Ganzen. Verluste, also Tote und verletzte Soldaten und Zivilisten, werden auf der jeweils anderen Seite als Erfolg gefeiert.

Auf- und Nachrüstung ist wieder „in“. Dies wird als Kompensation verloren gegangener Arbeitsplätze begrüßt.

Arbeitsplätze, die durch die mit dem Konflikt verbundenen Energieverknappung und -verteuerung ebenso verlorengegangen sind, wie aus der Folge verhängter Sanktionen.

Konflikte werden am Ende aller militärischen Aussichtslosigkeit nur durch Gespräche beendet. Aber dazu ist ein gutes Stück Unvoreingenommenheit bei aller Schuld des jeweiligen Gegenübers, erforderlich.

An beidem scheint es gegenwärtig zu mangeln – an der Gesprächsbereitschaft und an der Unvoreingenommenheit.

Stattdessen wird auf Waffensysteme und Geldströme gesetzt. Wer das anders sieht, wird in die Ecke der Russland- und Putin-Versteher verbannt. Dabei sollten wir versuchen zu verstehen, um was es wirklich geht. Verstehen ist dabei nicht mit Verständnis zu verwechseln.

Ähnliches gilt für den Iran-Konflikt. Dieser gefährdet die gesamte Weltwirtschaft. Er macht für uns den Verlust naher Energiequellen noch schmerzhafter. Auch hier wäre zur Einordnung und zur Befriedung eine Befassung mit den historischen Zusammenhängen erforderlich. Dem Grunde nach geht es auch hier um einen Stellvertreterkrieg der globalen Großmächte. Europa ist zum Spielball geworden.

Warum, so werden Sie vielleicht fragen, sind solche Themen Gegenstand meiner Kommentierung im sonst recht regionalen Kontext.

Die Zeiten eines „Was geht es uns an, wenn in China ein Sack Reis umfällt?“ sind längst vorbei. Alles hat mit allem zu tun. Letzteres ist auch eine Folge eines neuen Medienverhaltens.

In Echtzeit werden wir mit weltweiten Ereignissen konfrontiert.

Die bei uns aufgelaufenen Probleme, welche oft bei den Menschen zu Pessimismus und Zukunftsängsten führen, haben ursächlich auch damit zu tun. Die „sozialen Medien“ tun ihr Übriges, sind Segen und Fluch. Einerseits verhelfen sie zu Verbindungen und Informationen, andererseits wird gerade das missbraucht.

Auch deshalb ist allseitiges Informieren ein Weg, um in Balance zu bleiben.

Der Herbst ist gekommen. Der November ist der Monat der Gedenktage, Ewigkeitssonntag und Volkstrauertag.

Letzterer wurde geschaffen um zu erinnern. Zu erinnern an Verlust und Leid durch Krieg.

„Nie mehr“ war das Credo der Verirrungen des letzten Jahrhunderts.

„Nie wieder“ sollte das unsrige sein.

Bei allen offenen Fragen: Ich glaube an die Macht des Faktischen,- des Guten.

Michael Harig

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




Home
Blitzer
Whatsapp
Mail