Heute spricht der ehemalige Landrat des Landkreises Bautzen, Michael Harig zu den Themen, die ihn zu Beginn dieses nicht mehr ganz so neuen Jahres bewegen – und bewegen ist schon das richtige Stichwort, denn alles ist im Fluss, dabei aber nicht alles im positiven Sinne – der Landrat a.D. fasst für uns seinen Standpunkt zusammen, ein Schwarzmaler ist er dabei aber nicht, aber hören Sie selbst.(fk)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Kaum haben wir uns versehen,- und das neue Jahr ist nicht mehr neu. Der erste Monat ist bereits Geschichte, und ob des doch recht lange anhaltenden Winterwetters wird das Frühjahr von Jedermann herbeigesehnt.
Die 5. Jahreszeit,- also die Faschingswochen fanden im Aschermittwoch ihr kalendarisches Ende,- und auch die Tage der Winterferien sind gezählt.
Es ist der Lauf der Zeit, welcher sich scheinbar immer wieder aufs Neue seine gewohnte Bahn bricht.
Etwas anders verhält es sich mit den Themen, welche uns im Kleinen wie im Großen beschäftigen. Hier ist vieles im Fluss, wobei die Strömungen- um im Bild zu bleiben,- auch für Optimisten,- zu denen ich mich zähle, vielfach bedrohlich erscheinen.
Da wären zunächst die Konflikte in Form von Krisen und Kriegen auf diesem, unseren einen Planeten. Selbst wenn es gelänge die unmittelbaren Konfrontationen und Waffengänge zu beenden, bleiben Verletzungen und Verluste die noch Generationen beschäftigen werden- und immer wieder Nährboden für neue Gewalt sein können.
Den Mächtigen dieser Welt verspielen Vertrauen. Handel, Sanktionen und Zölle werden zunehmend zum Erpressungspotential. Unterschiedliche Interessen machen unser Europa schwach, wo doch Stärke und abgestimmtes Handeln von Nöten wäre. Stärke nicht im militärischen,- sondern im wirtschaftlichen Sinne. Abgestimmtes Handeln nicht aus Not, sondern aus Überzeugung. Aus einer Überzeugung, dass der Wohlstand,- dass sozialer Ausgleich und eine verantwortbare Ökologie ökonomische und friedfertige Grundlagen braucht.
Eine Lebensweisheit besagt, dass die Macht des Faktischen zum Handeln zwingt. Vielen ist bewusst, dass sich Dinge ändern müssen. Gleichwohl scheint die Not noch nicht groß genug zu sein.
Nehmen wir als Beispiel den Fachkräftemangel:
Dieser wird verstärkt, da in den nächsten Jahren mehr Menschen in Rente gehen als von unten nachwachsen. Gleichwohl diskutieren wir eine 35 Stunden- oder 4 Tage- Arbeitswoche, Bildungsurlaub, Rechtsanspruch auf Homeoffice, Elternzeit und finden durchschnittlich 20 Krankentage als normal und Folge einer allumfassenden Überlastung. Schon der Vorschlag den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, führt zu Diskussionen, als ginge es um den Untergang des Abendlandes. Der Arbeitsmarkt für einfache Tätigkeiten wurde gesetzgeberisch durch Mindestlohn, Arbeitszeitregelungen und ähnliches beseitigt. Die Folgen sind überall ersichtlich. Gastronomen und ähnliche Gewerke finden keine Aushilfskräfte,- auch weil Arbeitseinkommen den Bezug von Sozialeinkommen einschränken. Lokale und Einzelhandelsgeschäfte schließen, da die Kosten, der Onlinehandel und der Mangel an Arbeitskräften die Ertragserfordernisse nicht mehr gewährleisten. Der öffentliche Dienst formuliert Tarifforderungen, ohne Rücksicht auf die aktuelle Situation aller öffentlichen Haushalte und die Bereiche, in denen das Geld erwirtschaftet werden muss.
Wo führt das alles hin?
Diese Frage stellt sich auch im Wissen, dass dieses Land- in Ost und West- mit Fleiß, Wissen und Engagement aufgebaut- und stark gemacht wurde.
Brauchen wir die Erfahrung des Scheiterns, um wieder die richtigen Schwerpunkte zu setzen?
Ich glaube an die Macht des Faktischen und die Kraft, welche den hier lebenden Menschen innewohnt.
Insofern sollten wir offen sein für Neues- und auch die eine oder andere Erfahrung aus der Vergangenheit.
Die Mischung machts. Tradition und Innovation können eine Seite einer selbe Medaille sein!
Michael Harig






Schreibe einen Kommentar