In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, spricht heute der ehemalige Landrat des Landkreises Bautzen, Michael Harig. Es ist seine ganz persönliche Meinung zum Reformbedarf und in welcher Form dieser von bestimmten Gruppen in der Bevölkerung gewünscht und gewollt ist.(fk)
Der Kommentar zum Nachlesen:
„Wasch mir den Pelz,- aber mach mich nicht nass“
So oder ganz ähnlich empfinde ich das gegenwärtige Gerangel um erforderliche Reformen in diesem, unserem Lande.
Die Öffentlichkeit und die Medien erzeugen einen großen Druck auf die aktuelle Bundesregierung. Wir alle spüren, dass sich etwas verändern muss. Gleichzeitig aber soll alles bleiben, wie es ist, zumindest soll nichts weniger oder schlechter werden.
Ohne der Regierung das Wort reden zu wollen, steht diese vor der „Quadratur des Kreises“
Warum? Die erforderlichen Reformen können,-zunächst selbst bei bestem Willen, nicht zu einem „Besser“ oder „Mehr“ führen.
Dieses, unser Land, hat sich unter Beteiligung aller in eine Art Sackgasse manövriert. Wir haben uns an ein ständiges Mehr gewöhnt, ohne die dafür erforderlichen Grundlagen zu erhalten.
Ich erinnere mich an eine meiner letzten Quartalsgespräche mit dem Personalrat der Kreisverwaltung.
Eine junge Frau,- gerade erst in das Gremium gewählt, stellte mir die Frage, was ich nun tun wolle, damit die Kreisverwaltung ein attraktiver Arbeitgeber wird? Ich sollte doch wissen, dass junge Menschen andere Prämissen hätten,- so zum Beispiel „Work-Life Balance“ usw.
Ich verstand zunächst die Frage nicht. Nach kurzem Überlegen entgegnete ich sinngemäß:
Der Wohlstand, den Sie und wir gegenwärtig genießen dürfen, ist nicht durch Work-Life Balance entstanden, sondern durch die Anstrengungen der Generationen ihrer Eltern und Großeltern. Wenn die Kreisverwaltung, welche tariflich bezahlt, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice u.a. gewährleistet für Sie kein attraktiver Arbeitgeber ist, bin ich gern bereit, selbst an einem Wochenende- und meine Arbeitswoche hatte 7 Tage,- einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben.
Was will ich damit sagen?
Ich möchte nicht diese Kollegin schelten, junge Menschen kennen es, zumindest teilweise, nicht anders.
Dennoch sind falsche Schlüsse gezogen worden.
Herausgekommen ist Unverständnis, schwerfällig- und Langsamkeit, oft eine überproportionale Verteuerung und eine fortschreitende Entmündigung derer, die den Karren ziehen.
Nicht wenige junge Menschen verweigern sich auch deshalb Kindern und Familie, da man in diese Welt angeblich keine Kinder setzen kann. In Wirklichkeit geht es um Selbstverwirklichung und sonstige Interessen. Es muss offen angesprochen werden, dass Generationen, die sich Kindern verweigern, sich de facto um die eigene Zukunft bringen.
Natürlich sind die gegenwärtige Kriegsrhetorik und der unbrauchbare Versuch internationale Konflikte mit einem ständigen mehr an Geld und Waffen zu lösen eine Art Beschleuniger für solches Verhalten. Auch die Überlastung unserer Sozialsysteme durch Fehlanreize und einem Missverhältnis zwischen Einzahlern und Empfängern ist in diesem Kontext zu nennen. Probleme, scheinbar überall, wo wir hinschauen.
Die positive Nachricht aber ist, dass diese Probleme lösbar sind. Wir haben allen Grund zur Zuversicht, denn keine Generationen vor uns hatten je bessere Möglichkeiten. Es ist wie in der Natur. Manchmal müssen Dinge zurückgeschnitten werden, damit sie im Nachgang wieder kräftig austreiben. Lassen wir uns in dieser Sommer- und Ferienzeit davon leiten. Seien wir offen für Veränderungen,- denn nur wer nicht bereit ist zu verändern, wird gerade das verlieren, was er bewahren wollte. Bewahren wir uns Frieden und Freiheit.
Michael Harig







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