In „kommentiert:“ spricht Gabriela Hesse. Sie ist Äbtissin des Klosters Sankt Marienstern in Panschwitz-Kuckau und widmet sich heute philosophisch dem Thema Leben und dessen Anadrom – Nebel, passend zum herbstlichen Wetter.(mp)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Der Würzburger Dichter Paul Weismantel beschreibt diesen Zusammenhang mit einfachen und klaren Worten in einem Gedicht:
LEBEN
Rückwärts gelesen heißt:
NEBEL.
Zu unserem Leben
gehören auch die Nebelzeiten,
düstere und trübe, graue und einsame Stunden und Tage.
Die Lebensnebelzeiten
können wir nicht umgehen,
noch ihnen entfliehen,
wir müssen sie annehmen,
durchstehen und bewältigen.
Gibt es da nicht den einen,
der uns die Zusage gegeben hat,
dass er alle Tage bei uns ist,
auch an jedem Nebeltag?
Durch ihn wird
unser aller Lebensnebel
gelichtet und erleuchtet,
verwandelt und verklärt.
LEBEN geht durch alle
NEBEL zum LICHT.
Leben ist Faszination und Segen zugleich. Nebel aber versetzt viele in eine traurige, depressive Stimmung, die ihnen die Vergänglichkeit allen Lebens eindeutig vor Augen und die Seele stellt. Ich mag Nebel. Er hat für mich etwas Beruhigendes, etwas Weiches, Verlangsamtes, geheimnisvoll Mystisches. Das geht nicht allen Menschen so. Das Gedicht von Paul Weismantel drückt für mich wunderbar aus, dass wir nicht alleine gehen müssen. Als Christ glaube ich, einen Begleiter durch die Nebel des Lebens gefunden zu haben: Jesus Christus. Er verspricht: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“ Auch wenn ich weiß, dass es vielen schwerfällt, dies zu glauben. Mir gibt er jedenfalls Kraft. Die Zukunft liegt noch im Nebel. Doch ich selbst weiß und habe es erfahren, dass nichts ohne das Zutun Gottes geschieht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie ab und zu diese Erfahrung machen dürfen, wenn Sie das Gefühl haben, es geht gar nichts mehr, keine Durchsicht, wirklich nur Nebel, dass dann Ihr Leben durch den Nebel hindurch zum Licht führt.
Sr. Gabriela Hesse







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