In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, hören wir heute Anja Paumen, Autorin, Biologin und Klimaexpertin aus Senftenberg. Sie spricht heute über „Ja zur Pause – nein zur Beschleunigung“. Eine Überschrift, die wir wohl alle befürworten, die sich aber viel zu selten umsetzen lässt.(jb)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Ja zur Pause – nein zur Beschleunigung
Die Feiertage sind vorbei. Ich hoffe, Sie hatten eine gute Zeit!
Die meisten, die ich kenne, sagen, sie haben einfach nicht genug Zeit für das, was ihnen wichtig ist.
Wie ist das bei Ihnen? Kommen Sie mit Ihrer Zeit gut aus?
Mir scheint, in unserer Gesellschaft versuchen alle ihre Zeit besser zu nutzen.
Auf der Arbeit heißt es, wir müssen die Besprechungen effizienter gestalten.
Die Bundes-Regierung möchte, dass wir Vollzeit arbeiten und nennt Teilzeit negativ einen Lifestyle-Trend.
Und sogar die Europäische Union nennt ihre neue Wirtschafts-Strategie: „Accelerate EU“, also auf deutsch: „Beschleunige die EU!“
Also effizienter, mehr und schneller sollen wir arbeiten.
Dann pausieren wir mal einen Moment und fragen uns: Wozu?
Ist es das, was wir wirklich brauchen? Oder sind wir am Ende des Tages nur noch erschöpfter? Und zählen allein die Zeit bis zum Wochenende?
Es gibt dazu einen Bezug zur Klimawissenschaft.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts befindet sich die Menschheit in der Phase der großen Beschleunigung. Auf Englisch heißt das: Great Acceleration. Kennzeichen: steigender Energieverbrauch, wachsende Erdbevölkerung. Die Folgen: Immer höhere Ausstöße von Treibhausgasen – und natürlich der weltweite Temperaturanstieg. Nicht zu vergessen: mehr Abfälle, mehr Wasser- und Landverbrauch, Auslöschung von Tier – und Pflanzenarten.
Und was fällt uns schlauen Menschen nun ein, um diese Probleme zu lösen? Noch schneller werden und noch mehr produzieren.
Also ein Feuer löschen, in dem wir Benzin hineingießen.
Was wir brauchen ist von vielem weniger: Etwa weniger Aufgaben pro Zeiteinheit. Dann macht die Arbeit mehr Freude und bringt bessere Ergebnisse.
Und JA – wir brauchen unserer Feiertage. ALLE. Ich fordere ein Ende der Debatte, einen weiteren Feiertag zu streichen. – Schließlich sind sie auch Kulturgut.
Und jetzt kommt es! JA – wir brauchen Urlaub, ABER wenn die Arbeit weniger Stress erzeugt– dann können es auch WENIGER Urlaubstage pro Jahr sein.
In diesem Sinne: Lassen Sie sich nicht hetzen! Feiern Sie die Pause!
Anja Paumen







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