Lausitzkommentiert: Gesellschaftlicher Umgang mit Begabung

In „kommentiert:“, dem Kommentar der Woche, spricht heute Peter Paul Gregor. Er ist Militär- und Polizeipfarrer a.D. aus Hoyerswerda und er widmet sich heute Überlegungen dazu, wie unsere Gesellschaft eigentlich mit überdurchschnittlichen Begabungen umgeht.(fk)

Der Kommentar zum Nachlesen:

Seit meiner Pensionzeit räume ich nun die angesammelten Schriften, Zeitungsartikel und Notizen der letzten 60 Jahre auf. Dabei ist mir ein Zeitungsartikel aus der DDR-Zeit in die Hände gefallen. In der sozialistischen Zeitung für Jugendliche „Junge Welt“ fand ich einen Artikel von dem in der ganzen Welt hochangesehenen Naturwissenschaftler Manfred von Ardenne. 

Er wurde 1907 in Hamburg geboren und starb 1997 in Dresden. Er war Gründer des gleichnamigen Forschungsinstituts in Dresden. Ebenso war er Gründerpräsident der Gesellschaft für biomedizinische Technik in der DDR.

Seit 1930 wurde er durch seine Patente bekannt. 1937 erfand er zum Beispiel das Elektronenmikroskop. 

Die Sowjetrussen haben ihn als Entschädigung nach dem 2. Weltkrieg mitgenommen. 

Übrigens entschädigten sich alle Besatzungsmächte in gleicher Weise. 

Bis 1955 war Manfred von Ardenne am Suchumi-Institut für elektronische Physik als Leitertätig. Ardenne besaß an seinem Lebensende 600 Patente.

Seine Tochter ließ sich zu DDR-Zeit mit dem Adelstitel „Comtesse“ anreden- so die Legende.

Seine Mutter wurde die Vorlage für Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“.

Warum heute die Erinnerung an Manfred von Ardenne?

Manfred von Ardenne antwortet auf die Frage in der „Jungen Welt“, ob wir in der DDR genügend wissenschaftliche Talente haben, 

dass es reichlich gibtdiese aber kaum entdeckt, noch durch Sonderbedingungen gefördert werden. Ende des Zitats.

Wie sich die Zeiten bis heute nicht änderten. 

Ich weiß und bin davon überzeugt, dass es auch heute hochbegabte jungen Menschen gibt, um deren Talente ich sie beneiden darf. 

Hier bin ich mit Manfred von Ardenne einer Meinung: Sie werden kaum entdeckt, kaum gefördert. Ihre hoch intellektuelle Einseitigkeit ist oftmals irritierend. Sie werden Opfer einerallgemeinen ineffizienten Schulausbildung. Das Problem kenne ich aus der DDR-Zeit. 

Wie komme ich zu solch einer Beobachtung. Schauen sie sich die Polizeiberichte unserer Zeit an. Sehr aufschlussreich. 

Warum ist das so? 

Auch Eltern hochbegabter Kinder und Jugendlicher bekommen nicht die notwendige Unterstützung. Das Gleichheitsprinzip – wenn es dies überhaupt gibt – lässt die hochbegabten Schüler verkommen. Sie müssen ständig Rücksicht nehmen auf die, die nicht wollen.

Manfred von Ardenne ist einmal sitzen geblieben, weil er sich zu sehr als Schüler spezialisiert hat. 

Die Zeit nach dem Unterricht war für seine schöpferische Tätigkeit entscheidend. 

Wir leben unter dem chronischen krankhaften Irrtum, dass Demokratie das Mittel für eine gesunde Gesellschaft ist. Welch ein Irrtum! 

Muss ich unbedingt heute und hier Beispiele nennen?

Die Demokratie braucht Menschen mit Intelligenz, Kreativität, gesunder Neugierde, mit sozialer Kompetenz und mit einer gesunden Disziplin, die bewusst auf Blödsinn in jeder Hinsicht verzichten.  

Dabei sind Vorbilder in allen Lebensbereichen entscheidend. 

Ich brauche den Willen anders zu sein als der Durchschnitt.

Manfred von Ardenne hatte sich durch folgenden Satz prägen lassen: 

Ein Wissenschaftler muss den Mut haben, die großen ungelösten Probleme seiner Zeit anzugreifen.

Und dazu brauchen wir Talente. Und wie fallen sie auf?

Hier Manfred von Ardenne: „Talent zu haben ist kein Verdienst, sondern Gnade! Gerade deshalb sollten Talente Bescheidenheit entfalten, nicht arrogant über der Umwelt stehen wollen! 

Ein Wissenschaftler, ein Erfinder, ein Entdecker braucht einen ihm freundlich gesonnen Helferkreis, der ihn in allem unterstützt, anregt, der aufgeschlossen ist. Und solches ist nur durch Bescheidenheit und Freundlichkeit zu erreichen.

Ende des Zitats.

Eine kleine Denkpause. 

Jetzt können sie verstehen, warum ich Tagesschau und heute-Nachrichten kaum noch ansehe. Hier besteht Vergiftungsgefahr!

Manfred von Ardenne war nie Mitglied der SED. 

Ab 1987 bemühte er sich mit dem stellvertretenden KGB-Chef (sowjetischer Geheimdienst) um die Absetzung Honeckers.

Zum Schluss wiederhole ich einen Satz, der in der DDR-Zeit nicht verstanden wurde und in einer scheinbar gnadenlosen Zeit auch heute nicht verstanden wird: 

Manfred von Ardenne: Talent zu haben ist kein Verdienst, sondern Gnade!

Ich sehne mich nach gnadenvollen Menschen in Politik, Kirche und Gesellschaft. 

Und wir haben sie. 

Sie müssen nur entdeckt und dann gefördert werden.

Peter Paul Gregor

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