In „kommentiert“, unser Kommentar der Woche, hören wir dieses Mal Torsten Berge. Er ist seit 26 Jahren Verlagsleiter des Wochenkurier, der seit Oktober 2025 nicht mehr erscheint. Es spricht über Lokaljournalismus und die Mediennutzung in der heutigen Zeit.(mp)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, liebe Hörerinnen und Hörer,
gut informiert zu sein, ist eigentlich die Voraussetzung, sich eine eigene Meinung zu bilden, und dann mitdiskutieren zu können. Fakten und Hintergründe zu vermitteln, ist wiederum die Bestimmung von Medien, egal welcher Gattung.
In meiner langjährigen Verantwortung für die redaktionellen Inhalte des „Wochenkurier“ habe ich meinem Reporterteam stets vermittelt, konstruktiven Journalismus zu machen. Das bedeutet, gründlich zu recherchieren, die unterschiedlichen Sichtweisen zu berücksichtigen, den Finger in die Wunde zu legen, aber die Leser damit nicht im Regen stehen zu lassen. Sondern stets auchLösungsansätze zu bieten. Denn jedes Problem hat auch eine Lösung! Und Information ist nicht gleich Meinungsbildung, der Leser soll sich auf Basis von vermittelten Tatsachen seine eigene Meinung bilden! Den „Wochenkurier“ gibt es leider nicht mehr. Aber es gibt Internet, Zeitungen, Fernsehen, Radio und und und….!
Das Mediennutzungsverhalten der Generationen unterscheidet sich massiv. Digital – beliebt nicht mehr nur bei jungen Menschen, gedruckt – scheinbar und angeblich auf absteigendem Ast, Fernsehen versus Streamingportale. Lokaljournalismus aus Kostengründen leider immer weniger, regional ist preiswerter und noch besser als Nichts. Und auch aus Kostengründen, am besten KI generiert.
Apropos KI: ist es nicht super, wenn wir dann auf dem Bildschirm, z.B. über Facebook, unendlich niedliche Kurzvideos, sogenannte Reels erhalten, in denen der mächtige Löwe im Zoo das verirrte Katzenjunge liebevoll abschleckt, statt es zu fressen?Oder der furchtlose Schäferhund der Kobra den Kopf abbeißt, ehe diese wiederum das Kleinkind beißen kann? Glücksgefühle dank KI, fix geteilt, denn Glück soll man ja schließlich teilen.
Ich habe übrigens jetzt gerade auch zwei Facebook-Accounts. Einer ist wirklich meiner, einer verbreitet in die Welt unsinnige Abnehm-Methoden und sonstigen Quatsch, mit dem ich persönlich so gar nichts zu tun habe. Und das irgendwie zu stoppen, ist mir trotz Zuhilfenahme von Freunden mit digitaler Ahnung bis heute nicht gelungen.
Aber zurück zu Information und Mediennutzung. Am vergangenen Montag hatte ich die Gelegenheit, an einer Veranstaltung des Marketingclubs Cottbus teilzunehmen. Gast und gleichzeitig Referent war Dirk Jehmlich, Geschäftsführer der neuen Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Diese startet am 21. Februar sowohl als Printprodukt, als auch digital als E-Paper. Das Ganze ist ein Projekt von Holger Friedrich, seit ein paar Jahren Verleger des Berliner Verlages und damit auch Herausgeber der Berliner Zeitung. Der unkonventionelle und unangepasste, megaerfolgreiche IT-Unternehmer hat sich aufs glatte Eis der Medienbranche begeben und will nun, nach dem Erfolg in Berlin, mit seinem Team eine Lücke schließen, die sie so definieren – Zitat von der Homepage: „In Gesprächen mit unseren Lesern hören wir immer wieder, wie wichtig ihnen unabhängige Berichterstattung, gepaart mit lokaler Kompetenz, ist. Gleichzeitig hören wir in Gesprächen außerhalb Berlins immer häufiger, dass die Berichterstattung der dortigen, meist westdeutsch dominierten Lokalpresse den Leser-Ansprüchen nicht mehr genügt. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein mediales Angebot für den Osten Deutschlands zu entwickeln. Wir setzen der Konzentration medialer Macht in den Händen weniger Westverlage etwas Eigenes entgegen: eine ostdeutsche Stimme im medialen Kanon Deutschlands, die erstmalig seit der Wiedervereinigung Deutschlands die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Besonderheiten des Ostens nicht nur berücksichtigt, sondern prominent platziert.“ Zitat Ende.
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, liebe Hörerinnen und Hörer, das wird sportlich! Und teuer, und auf massive Widerstände stoßen. Ob die Macher des neuen Formates uns überzeugen können, bleibt abzuwarten. Schaden kann das neue Angebot aber nicht, da stimmen mir sicher alle, die die Nase von tendenzieller Berichterstattung und einseitiger Meinungsbeeinflussung gestrichen voll haben, sicher zu.
Wie und wo Sie sich informieren, bleibt zum Glück letztlich Ihre persönliche Entscheidung. Bitte vergessen Sie dabei aber nicht Ihren lokalen Fernseh- und Radiosender. Hier wird von Hand engagiert Journalismus gemacht, und was vor der Haustür passiert, ist letztendlich doch immer noch am Interessantesten. Bleiben Sie kritisch und aufmerksam, Ihre Informationsquellen betreffend, und vor allem natürlich gesund, das wünscht Ihr Torsten Berge.






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