Der Kommentar zum Nachlesen:
Bei den aktuellen politischen Debatten muss ich häufig an zwei markante Ausführungen zum Phänomen der Dummheit denken.
Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schrieb 1943 in einem Essay: „Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.“
1999 testeten die Psychologen David Dunning und Justin Kruger in einer viel zitierten Studie die Teilnehmenden auf ihre Fähigkeiten in den Bereichen Logik, Grammatik sowie ihren Sinn für Humor. Im Ergebnis neigten Menschen mit geringer Kompetenz dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen und sich als überdurchschnittlich kompetent zu betrachten. Teilnehmende, die gut abschnitten, konnten ihre Fähigkeiten deutlich realistischer einschätzen. Die Psychologen begründeten diesen später nach ihnen benannten „Dunning-Kruger-Effekt“ wie folgt. Das Wissen, das man benötigt, um ein richtiges Urteil zu fällen, ist dasselbe Wissen, das man benötigt, um zu erkennen, ob ein Urteil richtig oder falsch ist. Zum Beispiel ist die Fähigkeit, einen Satz richtig zu schreiben, die gleiche wie die Fähigkeit zu erkennen, ob ein Satz richtig oder falsch geschrieben ist.
Leider lässt sich aus diesen Erkenntnissen kaum Zuversicht für die Zukunft unserer politischen Auseinandersetzungen gewinnen, in denen die lautesten Stimmen häufig nicht die der Kompetenten sind. Hoffentlich überschätze ich selbst meine Kompetenzen im Kampf gegen die Dummheit nicht. Denn aufgeben ist keine Option. In diesem Sinne wünsche ich viel Kraft.







Schreibe einen Kommentar