In „kommentiert:“, unser Kommentar der Woche, spricht heute Gabriele Hesse. Sie ist Äbtissin des Klosters Sankt Marienstern in Panschwitz-Kuckau und widmet sich passend zum Wetter dem Herbst.(cb)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Für mich ist der Herbst einfach die schönste Jahreszeit.
Das bunte Laub und das goldene Licht machen den Herbst für mich jedes Jahr zu einer ganz besonderen Zeit.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich an einem Herbsttag ins Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau eingetreten bin.
Im Oktober 1981 war ich am Ziel und am Beginn meiner Sehnsucht angekommen. Das ist 45 Jahre her.
Nach dem Abschluss meiner Krankenschwesternausbildung in Berlin konnte ich den Tag meines Eintritts kaum erwarten.
Ich wusste, was ich wollte. Und ich war mir sicher, dass mein Weg ins Kloster führt. Dass das der Ort ist, wo Gott mich haben will.
Diese Gewissheit ist nicht einfach vom Himmel gefallen.
Da gab es schon einen Weg, der immer klarer zum Ziel führte.
Der Anfang im Kloster war schön, aber auch nicht immer leicht.
Vieles musste ich ganz neu lernen und in diese so ganz andere Welt langsam hineinwachsen. Aber auch nach 45 Jahren kann ich sagen: es war der richtige Weg, ich konnte viele Gaben und Talente einsetzen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie überhaupt habe.
Die Gewissheit am richtigen Ort angekommen zu sein ist für mich ein riesiges Geschenk. Das ist wirklich mein Platz.
Dabei gibt so viele Menschen, die ihren Platz im Leben nicht kennen, die ihren Weg noch nicht gefunden haben.
Gerade jungen Menschen geht das so.
Vor kurzem las ich in der Sächsischen Zeitung einen Artikel, „Wie Schüler ihren Wunschberuf entdecken“. Drei Neuntklässler wissen genau, was ihr Berufsziel ist. Viele Jugendliche in ihrem Alter wissen das aber nicht. Sie haben keine Vorstellung davon, wie ihr beruflicher Weg einmal aussehen soll.
Es gibt zahlreiche Hilfen und Unterstützung.
Entscheiden müssen sie sich aber letztlich selbst.
Was hat mir damals geholfen?
Die Antwort ist im Rückblick nicht ganz so einfach.
Ich hatte das Glück, dass viele Menschen zur richtigen Zeit für mich am richtigen Ort waren.
Ich wurde von meinem Elternhaus getragen und unterstützt.
Ich wünsche unseren Jugendlichen, dass sie auch Menschen an ihrer Seite haben, die sie unterstützen, ihnen genug Freiraum geben, um sich zu entfalten und auszuprobieren und sich selbst dabei kennen zu lernen.
So können sie ihren eigenen Weg suchen – und finden.
Gabriele Hesse







Schreibe einen Kommentar