In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, hören wir heute Alf Wallner, Geschäftsführer der Konrad Zuse Akademie Hoyerswerda. Sein Thema heute, wie passend, „Zum Schulstart“.(jb)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Die Ferien sind schon wieder vorbei und auch bei uns in Sachsen hat die Schule wieder begonnen. Die meisten Schüler und Lehrer freuen sich darüber und blicken erwartungsfroh auf das neue Schuljahr.
Das Kultusministerium wird nicht müde zu erklären, dass man gut gerüstet ist und mit neuen Ideen und Lösungen alte Probleme angeht.
Doch welche sind das?
Im Schuljahr 2024/25 fielen in Sachsen rund 9,1 Prozent aller eigentlich vorgesehenen Unterrichtstunden aus. Das entspricht mehr als 2 Millionen ausgefallene Unterrichtsstunden an den öffentlichen Schulen. Statistisch fiel somit fast jede zehnte Stunde in diesem Zeitraum aus. Das ist aber noch nicht das ganze Problem.
Als Ausfallstunden zählen nur die Stunden, in denen tatsächlich kein Unterricht stattfindet. Nicht dazu zählen die Stunden, die bei Klassen fachfremd vertreten werden, wo Klassen aufgeteilt, beschäftigt oder auch nur beaufsichtigt werden, also kein Unterricht nach Lehrplan stattfindet.
Hauptgrund für diese Situation ist der Mangel an Lehrkräften. Das Kultusministerium hat reagiert und Maßnahmen eingeleitet, unter anderem über 900 neue Lehrer eingestellt. Da das vermutlich nicht reichen wird, setzt das Ministerium nun auf verstärkte Abordnung von Lehrern an andere Schulen.
Das klingt zunächst plausibel, impliziert aber auch, dass Lehrkräfte an abgebenden Schulen freie Kapazitäten hätten. Dem ist aber mitnichten so. Alle Lehrkräfte halten an ihren Schulen die vertraglich festgelegte Anzahl von Unterrichtsstunden und einige bereits darüber hinaus. Wenn also ein Lehrer Unterrichtstunden an einer anderen Schule hält, fehlt er in der eigenen. Nur in seltenen Fällen wird der Unterricht dann fachgerecht vertreten, oftmals werden die Kinder dann wieder aufgeteilt, beschäftigt oder beaufsichtigt. Dem Lernprozess der Schülerhilft das wenig, wohl aber der Statistik des Kultusministeriums. Auf diesem Weg kann man wunderbar die Anzahl der offiziellen Ausfallstunden reduzieren.
Die groß angekündigte verstärkte Abordnung von Lehrern an andere Schulen ist also eigentlich gar keine Lösung, sondern nur eine Verschiebung des Problems und eine Verschönerung der Statistik.
Das ist gewiss auch dem Kultusministerium bekannt, es der Öffentlichkeit aber als Lösung zu verkaufen, ist gelinde gesagt, ganz schön dreist.
Unterrichtsausfall wird sich auch in Zukunft nur mit einer ausreichenden Anzahl an Lehrkräften vermeiden lassen, die neu eingestellten Lehrer sind dafür nur ein – hoffentlich guter – Anfang.
Alf Wallner







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