In „kommentiert:“, unserem Kommentar der Woche, spricht diesmal Reiner Rogowski, ehemaliger Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken. Das Thema, dem er sich hier widmet, lautet Zukunft von Pflege und Gesundheit in den unterschiedlichen ländlichen Regionen.(jb)
Der Kommentar zum Nachlesen:
Vorweg meinen Hinweis, dass es nicht nur eine „die ländliche Region“ in Sachsen gibt. Die Regionen außerhalb unserer Ballungsräume sind sehr unterschiedlich. Als Beispiel vergleichen wir mal die Westlausitz, in unmittelbarer Nähe zur Landeshauptstadt gelegen, mit der Region um die Stadt Weißwasser – im Dreiländereck Sachsen, Brandenburg und Polen gelegen. Auf die strukturellen Unterschiede der beiden Gebiete muss ich nicht eingehen. Sie sind uns bekannt. Die Anliegen der Menschen aber, die dort leben, sind in Bezug auf eine wohnortnahe und moderne medizinische Versorgung und eine vernetzte Pflege die gleichen. Ganz gleich, ob ich nun als Bürger und Mitmensch nahe Dresden oder in der Region Weißwasser lebe, das Grundbedürfnis an Medizin und Pflege ist gleich. Wenn ich diese Art der Daseinsfürsorge brauche, freue ich mich darüber, wenn ich sie wohnortnah und in guter Qualität bekomme.
Zurzeit bin ich nicht zufrieden mit der „Verknüpfung“ von diesen beiden wichtigen Sozialleistungen. Die Pflege und die Medizinische Versorgung sind nach wie vor in zwei unterschiedlichen Gesetzeswerken geregelt. Die in unserer Realität aber zwangsläufig vorhandene Verbindung der Systeme für Menschen jeden Alters, die akut oder chronisch krank sind und Menschen, die ambulante oder stationäre Pflege benötigen, ist zu schwach, ja manchmal gar nicht vorhanden. Sektoren nennt man diese Trennung. Auch in der jetzigen Reform, die die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, ist es leider nicht gelungen, sich an diese Themen heranzuwagen. Dabei haben wir bereits gute Anfänge.
Ich nehme als Beispiel die Ansätze, die schon erfolgreich von verschiedenen Protagonisten im Bereich der Telemedizin eingebracht wurden. Kleinere regionale Krankenhäuser und Versorger können mit den großen Spezialisten, Uni-Kliniken und Schwerpunktkrankenhäusern bei der Versorgung in Notfällen und bei Unfällen telemedizinisch zusammenarbeiten. Fachspezialisten stehen via Bildschirm bei der Behandlung quasi neben ihren Kollegen. Ärzte und Rettungssanitäter haben ihre Kollegen zur Seite. Voraussetzung ist eine adäquate, das heißt moderne Ausstattung.
Diese erfolgreichen Modelle der Zusammenarbeit und Versorgung scheitern jedoch oftmals an banalen Themen. So durfte ich erleben, dass eine Krankenkasse, als Kostenträgerin und Ideengeberin für solch eine tolle Methode gar nicht gewillt war, mit anderen Kassen und den Leistungserbringern, Ärzten und Rettungsdienstmitarbeitern, zusammenzuarbeiten. Warum? Vielleicht, weil es die sog. „eigene Idee“ war. Mag sein.
Auch stelle ich immer noch fest, dass die Versorgung von Menschen in Alten- und Pflegeheimen noch immer „komplizierter“ ist, als die der Menschen, die noch zu Hause leben.
Fakt ist aber, dass wir durch die demografische Entwicklung unserer Regionen immer mehr pflegbedürftige Menschen haben, die aber eben auch Patienten sind, die haus- und fachärztliche Betreuung brauchen. Die auch gerne bereit sind, sich mit telemedizinischen Komponenten auch in der Häuslichkeit „überwachen und betreuen zu lassen“, gerade um zu verhindern, dass der Rettungsdienst nicht rechtzeitig kommt oder aber, weil kein gutes Monitoring vorhanden ist, unnötigerweise kommt. Natürlich gehört auch die adäquate Versorgung mit Medikamenten, aus unseren regionalen und leistungsstarken Apotheken dazu, aber das ist ein Kapitel für sich.
Diese Themen, die ich hier nur anreißen konnte, müssen wir zukünftig stärker regional denken. Unsere Ideen sammeln und nicht aufhören diese unseren Stadt- und Gemeinderäten und Landtagsabgeordneten, gleich welcher politischen Couleur, zu teilen und zu diskutieren. Nur zusammen erreichen wir Verbesserung, nicht dadurch, dass wir versuchen uns gegenseitig ins Aus zu diskutieren, sondern dadurch, dass wir gemeinsam Vorschläge machen. Immer wieder.
Reiner Rogowski







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