Lausitzkommentiert: Fastenzeit ist Lernzeit

Jeden Donnerstag haben wir den Kommentar der Woche für Sie. Heute spricht Schwester Gabriela Hesse, der Äbtissin des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau, zum Thema fasten. Nachzulesen ist der Kommentar dann auch jederzeit auf lausitzwelle.de.(fk)

Der Kommentar zum Nachlesen:

Bis vor wenigen Jahren hatte ich von Katzen und Hunden so gut wie keine Ahnung. Wellensittiche waren mir schon eher vertraut, weil es in meiner Kindheit immer so einen kleinen, lustigen Gefährten gab.

Vor ein paar Jahren zogen zuerst zwei Meerschweinchen ins Kloster ein.

Dann kam ein Labrador-Schäferhund dazu, der ein neues Zuhause brauchte und ganz zum Schluss noch zwei kleine Kater. Brüder, die nicht unterschiedlicher sein können. Einer dieser Kater ist mein kleiner Willi.

Er ist schmal, immer in Bewegung. Wie ein Kobold hat er immer neue Überraschungen auf Lager. Sein Bruder Louis dagegen ist langsam, kompakt und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Im Laufe der Jahre haben mich die beiden Kater viel gelehrt. Vermutlich mehr als andersrum – das können wohl alle passionierten Katzenbesitzer bestätigen.

Mich fasziniert, wie sie kommunizieren. Katzen wissen ja immer genau, was sie wollen oder eben auch nicht wollen. 

Und das wird durchgezogen.

Da sitzt der Louis vor einer geschlossenen Tür. Unsere schweren Klostertüren können von Katzen nicht so einfach geöffnet werden. 

Sein Blick geht zur Türklinke und dann zu mir. Es ist ein magischer Blick, der mich zum Lachen bringen kann. Natürlich habe ich verstanden: ich soll ihn hinauslassen. Die Beiden wissen auch genau, wo ich die Leckerlis versteckt habe. Und dagibt es dann deutliche Ansagen, dass ich doch endlich ein paar spendieren soll.

Für Katzen gibt es klare Regeln in der Kommunikation.

Wir Menschen sind da häufig nicht so klar. Mir fällt oft auf, wir verstehen wohl unsere Katzen, aber unsere Mitmenschen verstehen wir nicht.

Ich höre gar nicht richtig zu. Ich lasse mein Gegenüber nicht ausreden. Ich gebe ihnen kaum die Möglichkeit, sich überhaupt zu äußern.

Jetzt in der Fastenzeit, in den Wochen der Vorbereitung auf Ostern hin, versuchen viele Menschen, auf etwas zu verzichten. Seien es Süßigkeiten, Alkohol, das Handy. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und das ist auch in Ordnung. Aber natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten. Eine davon, ist aufmerksamer auf mein Gegenüber zu hören. 

Vom früheren Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, fand ich dazu passende Gedanken:

Fastenzeit ist Lernzeit.

In mir steckt mehr, als ich wusste.

Ich bin freier, als ich meinte.

Ich tauge zu mehr,

als ich dachte.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete, vorösterliche Zeit und unseren beiden Katern weiterhin zuhörendes und aufmerksames Personal.

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