Lausitzkommentiert: Muss ich alles sehen und hören?

In „kommentier“ spricht diesmal Peter Paul Gregor. Er ist ehemaliger Militär- und Polizeipfarrer aus Hoyerswerda und fragt sich heute – Muss ich alles sehen und hören?(mp)

Kommentar zum nachlesen:

Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer unserer Lausitzwelle!

Das ist jetzt kein rhetorischer Trick: Doch ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich fühle mich aktuell überfordert. In dem Lebensraum, in dem ich mich bewege, ist es mir zu eng geworden. 

Damit meine ich nicht Schwarzkollm, meinen Wohnort. 

Hier erlebe ich morgens noch paradiesische Zustände. 

Ich beobachte während des Frühstücks durch das Küchenfenster die sagenhafte Tierwelt. Hier herrscht trotz des Trubels noch Harmonie. 

Auch wenn Katzen die Vögel jagen, Amseln sich streiten, der Raubvogel sich natürlich den schönsten Vogel holt und nachts ein Fuchs seine Möglichkeiten auslotet. 

Trotzdem: Es tut gut. 

Danach holt mich der Alltag ein, so wie sie ihn wahrscheinlich alle kennen, mit seinen Höhen und Tiefen. 

Irgendwie versuchen wir wohl alle, diese gewohnte Alltäglichkeit zu akzeptieren bzw. zu bewältigen.

Aber eine ständige Überlastung führt zu Aggressionen in ihren verschiedensten Erscheinungsformen. 

Ich sehe es an den Gesichtern vieler Menschen, ob jung oder alt, ob groß oder klein.

Was tun? Zur Entlastung habe ich ein eigenes Programm entwickelt, welches mir tatsächlich weiterhilft. 

Ich frage mich: Muss ich das konsumieren, was mir Reklame und Medien anbieten? Muss ich alles sehen und hören? Muss ich überall dabei sein?

Klare Antwort: Nein. 

Und dieses Nein kann sehr missverstanden werden. Wenn ich diesen oder jenen Termin absage oder Erwartungshaltungen nicht erfülle.

Eine weitere Beobachtung: Ich muss nicht für jedes Problem gleich eine Lösung finden. 

Dabei ist Disziplin angesagt. Ich will erkennen, was für mich gut ist oder mir schadet. Vernunft und Gewissen sind hierfür die Basis. 

Was kann ich mir noch leisten? Oder auch die Frage: Wer ist mein Freund und wer mein Feind?

An meiner Lebensauffassung sind nicht immer die Fremden Schuld. 

Kommen wir zu den Heilmitteln: 

Ich lese gute Comics, schaue mir lehrreiche Kindersendungen an. 

Ich sitze auch täglich in meinem Sessel und frage mich: Wer ich bin eigentlich? Hat das alles einen Sinn? 

Diese Fragen sind auch von einem Sportler während der ambivalenten Winterolympiade gestellt worden. Für mich eine Bestätigung.

Nun zur Taktik: Ich baue bewusst eine Distanz zu Personen und Situationen auf, die die Ursache für meine Ohnmacht oder für meine schlechte Laune sind. 

Damit erkenne ich auch die Grenzen meines Auffassungsvermögens. 

Ich gebe öffentlich zu: Ich verstehe viele Situationen hier und in der Welt nicht mehr.

Ich bin aber kein Aussteiger, denn ich wende einen uralalten Trick an:

Ich habe mal gelehrt bekommen, dass im Alter die Weisheit und die Freude am Leben wachsen kann, wenn man will. 

Dabei helfen mir witzige Aphorismenschreiber:

Eine Kostprobe von Stanislaw Jerzy Lec:

„Professionelle Betrüger verkaufen die Lüge als Wahrheit.“

Ein zweites Angebot des großartigen Kabarettisten Bernd-Lutz Lange. Seine Bücher beweisen, dass Humor ein Lebenselixier ist.:

„Als der Stein seines Denkanstoßes ins Rollen kam, brachte er sich rechtzeitig in Sicherheit.“

Also: Ich werde mich aus dem Staub machen, bevor der Stein des Anstoßes mich überrollt.

Ich eile zu meiner Tierwelt und sehe das Eichhörnchen, welches an seinem Kobel baut und den Raubvogel auf dem Baum, der auf sein Abendbrot wartet. 

Unsere wunderbare Lausitz mit ihren Seen und Wäldern ist ein Sanatorium für die Seele.

Peter Paul Gregor

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




Home
Blitzer
Whatsapp
Mail